| Kunst des Loslassens | ||
| Dechant Karl Engelmann legt die Schrifttexte des 23. Sonntags im Jahreskreis aus. | ||
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Das Evangelium des Sonntags zeigt einen Weg in die Tiefe des Lebens. Was oder wer steht an erster Stelle in meinem Leben? Im Leben eines gläubigen Menschen kann das nur der dreifaltige Gott sein. Der Mensch soll sich in Gott sinken lassen, um fähig zu werden, alles von Gott zu empfangen, aber ebenso, um alles, was er empfängt, als von Gott stammend zu begreifen.
Im Geheimnis Gottes gegründet zu sein, heißt, den eigenen Ursprung zu kennen. Der Glaube hat sicher bei vielen Menschen einen Platz. Aber ist er nicht ein Bereich im Leben neben vielen anderen? Fristet nicht der Glaube sein Dasein in einem abgesonderten Winkel, den man nur „alle heiligen Zeiten” betritt? Dieser Lebenspraxis redet Christus im Evangelium nicht das Wort, im Gegenteil: Der Glaube an Gott ist laut Christus keine Nischenangelegenheit, sondern Grund und Fundament des ganzen Lebens, jedes alltäglichen Augenblicks genauso wie jeder Feierstunde. Es soll möglich werden, dass Gott uns so weit öffnet, dass alle unsere Lebensbereiche von ihm, Gott, durchdrungen werden und „Gott alles in allem sei” (Paulus). Laut dem Evangelium folgt daraus: Wir müssen lernen, dass wir loslassen von allem, was vergänglich ist – das ist jedes Ding, jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Beziehung –, und wir nur noch zu Hause sind und leben in Gott – der ist die Liebe. Wer beginnt, loszulassen, wächst auch hinein in tiefe Weisheit, die alles mit den Augen Gottes sieht. Davon spricht die erste Lesung. All das geht auf natürliche Weise nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Lebensprozess, ein lebenslanger Pilgerweg, an dessen unendlichem Ende – ob vor oder nach dem körperlichen Tod – das Zuhausesein in Gott liegt. ![]() (red) 02.09.2010 |



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