Ausgabe Nr. 06 - 12.02.2012
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Mehr als bloße Benimmregeln
Sr. Katharina Deifel legt die Schrifttexte des 22. Sonntags im Jahreskreis aus.

Vordergründig bietet dieses Evangelium einen christlichen Knigge – was übrigens zumindest für unsere Zeit auch bedenkenswert ist, da immer weniger Menschen begreifen, dass auch gesellschaftliche Benimmregeln in der Rücksichtnahme auf den Nächsten begründet sind.

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Mag. Dr. Katharina Deifel ist Dominikanerin, war Professorin an der Kirchlich-pädagogischen Hochschule und ist in der kirchlichen Erwachsenenbildung tätig.

Doch hintergründig geht es um mehr: Mit zwei Wenn-Sätzen (V. 8 a und V. 12 b) macht Jesus darauf aufmerksam, dass erstens der Mensch sich seine Berufung nicht selbst aussuchen kann – nur Gott kann berufen –, und zweitens, dass unsere Nächstenliebe sich nicht auf die beschränken darf, mit denen wir verwandt oder befreundet sind, sondern gerade die einschließen muss, die sonst von niemandem akzeptiert werden.

Wer so handelt, ist jetzt schon selig und darf auf eine endgültige Seligkeit hoffen. Das Gleichnis hat also eine eschatologische Ausrichtung (V.14).

Warum? Da wir alle von Gott geschaffen sind, sind wir auch auf ihn hin geschaffen – vgl. Augustinus: „Du hast uns auf Dich hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir”. Die Grundaufgabe jedes Menschen besteht daher darin, das Idealbild herauszufinden, das Gott von ihm hat – was ein regelmäßiges Innehalten und In-sich-hinein-Hören voraussetzt, ein Leben lang – und sich diesem Idealbild zu nähern.

Nur so wächst der Mensch in seine eigene Identität, und nur so kann er, unbeschadet der Wechselfälle des Lebens, in diesem Leben zufrieden werden und hoffen, im Tod in das ewige Leben Gottes hineingenommen zu werden.

Und dieses Hineinwachsen in die eigene Identität korreliert mit dem Hineinwachsen in die Nächstenliebe – pointiert formuliert von Augustinus am Anfang der von ihm stammenden Ordensregel, die aber allgemeine Gültigkeit hat: Wir sollen auf dem Weg zu Gott ein immer authentischeres Herz gewinnen und zugleich immer mehr mit unseren Mitmenschen zusammenwachsen.

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(red)

26.08.2010