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Im heutigen Sonntagsevangelium erfährt man, woher der im Volksmund bekannte Spruch stammt „Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten die Ersten”, nämlich aus der Bibel.
So geläufig einem der Satz auch ist, glauben will man ihn eigentlich nicht wirklich.
 Mag. Dr. Karl-Richard Essmann ist Professor an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien.
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Viele Menschen bemühen sich ein Leben lang, unter den Ersten zu sein, unter den Besten, unter den Mächtigsten, unter den Angesehensten. Immer wieder gelingt es ihnen auch.
Die Erfolgreichen und die Tüchtigen unter ihnen sind dann auch die Ersten, die Besten, die Mächtigsten und die Angesehensten. Man hält das auch für gerechtfertigt. Auf dieser Einsicht basiert auch die gesamte Werteskala der Welt.
Dem stellt die Bibel eine göttliche Ordnung gegenüber. Daraus erwächst oft Unverständnis, und es hat fassungsloses Kopfschütteln zur Folge. Oder wie es im Evangelium heißt, es führt zu „Heulen und Zähneknirschen”.
Missverstanden wird der Text aber auch von denen, die jetzt versuchen, bewusst unter den Letzten zu sein, und nichts tun. Denn es heißt auch, „müht euch mit allen Kräften!”.
Man könnte somit fragen: „Also was jetzt! Sich mühen oder Letzter sein?”: Diese Worte sind eben kein Aufruf zur Faulheit, sondern eine Einladung zur Bescheidenheit. Die Aufforderung besteht darin, in dieser Welt und für diese Welt alles zu tun und zu geben, was einem möglich ist. Aber man sollte nicht meinen, sich damit das ewige Leben bei Gott „verdienen” zu können.
Ein Leben im Reich Gottes hat Geschenkcharakter, kann nicht geplant, nicht organisiert werden, dafür gibt es auch keine Versicherung, die man rechtzeitig abschließen könnte.
Aber man kann Gott vertrauen und ihm glauben, dass er all unser Bemühen sieht. Wer hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass er trotzdem Letzter blieb, was immer er auch versuchte. Für all diese Menschen ist das heutige Evangelium wahrlich eine ganz besondere Frohbotschaft.
(red)
19.08.2010 |