Das Gleichnis steht im Zusammenhang einer Auseinandersetzung mit Pharisäern und Schriftgelehrten, die Jesu Umgang mit Sündern kritisieren. Jesus antwortet mit drei Gleichnissen, die – in steigernder Reihung – Freude über die Wiederfindung von Verlorenem (Schaf, Drachme, Sohn) thematisieren.
Dadurch will Er die Schriftgelehrten und Pharisäer einladen, ihre Haltung gegenüber „Sündern” zu überdenken.
![]()
|
Die Parabel thematisiert das liebevolle Verhalten des Vaters gegenüber beiden Söhnen.
Beide Söhne werden schuldig: Der Jüngere nicht deshalb, weil er sich seinen Erbteil (ein Drittel des beweglichen Vermögens) auszahlen lässt – damals wohnten ca. 4 Millionen Juden in der Diaspora, nur ca. eine halbe Million in der Heimat –, sondern weil er mit dem ausbezahlten Erbe keine neue Existenz aufbaut.
Der Ältere, weil er sein „Bravbleiben” für sein persönliches Verdienst hält und dem Jüngeren gegenüber missgünstig ist.
Der Vater übt keinen Zwang aus, ist aber beiden Söhnen gegenüber barmherzig:
Sobald der Jüngere umgekehrt ist, „eilt” (unschicklich) er ihm entgegen, macht
keine Vorwürfe, sondern umarmt ihn (Vergebung), schenkt Gewand, Schuhe, Ring (Wiedereinsetzung in die Sohnesrechte), veranstaltet ein Festmahl (Freude). Zum Älteren „geht er hinaus” und „redet ihm gut zu”.
Die Parabel endet offen – wir erfahren nicht, ob der ältere Sohn die Freude des Vaters teilen lernt. Aber wir erfahren durch die Erzählung, dass Jesus den „Braven” klar machen will, dass auch der Sünder ihr Bruder bleibt und dass auch in jedem „Gerechten” ein „Sünder” (sein Schatten) verborgen ist.
|
(red)