Ausgabe Nr. 06 - 12.02.2012
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Leid ist ganz sicher keine Strafe
Karl-Richard Essmann legt die Schrifttexte des 3. Fastensonntags aus.

Auch sehr gute Kenner der Heiligen Schrift und der biblischen Geschichte  haben wahrscheinlich noch nie etwas von den durch Pilatus getöteten Pilgern aus Galiläa gehört.

Und wahrscheinlich auch nichts vom Einsturz des Turmes von Schiloach. Aber die Apostel kommen zu Jesus und berichten ihm von diesen beiden Ereignissen.

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Mag. Dr. Karl-Richard Essmann ist Professor an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien.

Zwischen den Zeilen kann man fast heraus hören, dass sie den Menschen die Schuld für diese entsetzlichen Schicksalsschläge geben. Deren sündhaftes Verhalten soll dieses Geschehen mit verursacht haben.

Bis heute sind manche Christen überzeugt, dass Leiderfahrung manchmal, auch durch Naturkatastrophen hervorgerufen, in der Schuld der Menschen begründet ist. Oft sehen sie darin eine Gottesstrafe für ein frevelhaftes Verhalten.

Aber was erwidert Jesus den Aposteln, als sie ihm so eine Erklärung für das Leid der Menschen in den Mund legen wollen? Er sagt ihnen zweierlei.

Eine vermehrte Anstrengung um ein sündenfreieres Leben ist immer sinnvoll und gut. Eine Umkehr zu einem gottgefälligerem Leben kann nur richtig sein.

Er sagt dann aber auch, dass  es keinen von Gott herbeigeführten direkten Zusammenhang zwischen einem sündhaften Verhalten der Menschen und ihrer Leiderfahrung gibt. Leid ist ganz sicher keine Strafe, die Gott sich für Sünder ausgedacht hat.

Das alles will der Evangelist Lukas uns mit der heutigen sonntäglichen Schriftstelle sagen. Da ist es gänzlich unerheblich, ob wir schon einmal etwas von den getöteten Galiläern oder dem Einsturz des Turmes von Schiloach gehört haben.

So erweist sich die Heilige Schrift sogar dort wieder einmal als eine gute Botschaft, wo es um großes Leid für die Menschen geht.

Aber lesen und richtig verstehen muss man solche Textstellen schon.

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(red)

04.03.2010