Ausgabe Nr. 37 - 12.09.2010
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Der „Sonntag” – die erste Kirchenzeitung Österreichs.
Von der Vorläuferzeitung „Die Wienerische Kirchenzeitung” aus dem Jahr 1784 über die „Wiener Kirchenzeitung” anno 1848 bis zum „Sonntag” ab Dezember 2004.

Ein „Kind” der Revolution

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Titelblatt der „Wienerischen Kirchenzeitung" aus dem Jahr 1784

Nur wenige Wochen nach der Revolution von 1848, in der das Volk für mehr Freiheit kämpfte und die ein offeneres Pressegesetz brachte, erschien am 15. April – noch vor der Zeitung „Die Presse“ – die erste Ausgabe der „Wiener Kirchenzeitung für Glauben, Wissen, Freiheit und Gesetz”.

Sebastian Brunner, der Sohn eines Seidenfabrikanten, leistete sich damals als Privatmann diese Zeitung, die bereits eine – wenn auch davon sehr verschiedene – Vorläuferin besaß: Von 1784 bis 1789 war eine „Wienerische Kirchenzeitung“ erscheinen, gegründet von Markus Anton Witola, der in ihr die Maßnahmen Josephs II., die sich auch gegen Kirchen und Klöster richteten, verteidigte.

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Titelblatt der Kirchenzeitungs-Ausgabe aus dem Gründungsjahr 1848.








Die 1848 gegründete „Wiener Kirchenzeitung” kämpfte für „ein freies Wort für die Freiheit der Kirche” und engagierte sich für soziale Fragen. In ihrem Stil war sie radikal. Nach dem Rücktritt des Gründers Sebastian Brunner (1861) zermürbten Presseprozesse die Lebensfähigkeit der Zeitung, zu Weihnachten 1874 erschien sie vorerst das letzte Mal.





„Not lehrt Beten” – die Wiedergeburt als „Wiener Kirchenblatt”

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Zeitungstitel aus dem Jahr 1919

Ein Monat nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, am 1. Dezember 1918, entstand das „Wiener Kirchenblatt”, in dem Prälat Johann Mörzinger einen unpolitischen Stil mit Schwerpunkt Caritas pflegte, nach 44jähriger „Pause” erneut. Es erreichte eine Auflage bis zu 135.000 Stück. Noch erfolgreicher war das Jugend-Kirchenblatt, das von 1930 bis 1941 erschien. Das „Kleine Kirchenblatt” für die Kinder wurde pro Ausgabe sogar 260.000 mal gedruckt.

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Der Zeitungskopf aus dem Jahr 1922

Als die Nationalsozialisten 1938 die österreichische Presselandschaft zerstörten, durfte das „Wiener Kirchenblatt” noch erscheinen, weil es streng unpolitisch war. Der Schwerpunkt lag nun auf der Kinderseite, da der Religionsunterricht stark eingeschränkt worden war.
Doch am 25. Mai 1941 kam auch das Aus für das Kirchenblatt; Prälat Mörzinger war noch Chefrdakteur, er starb 1944. Zu diesem Zeitpunkt war Nachfolger Erich Fried Gefangener des NS-Regimes in Wien.

Nach dem II. Weltkrieg

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Die erste Nachkriegsausgabe vom 21. Oktober 1945

Die erste Nachkriegsausgabe des „Wiener Kirchenblattes” trägt das Datum 21. Oktober 1945 und den Untertitel „Wochenschrift für die Katholiken”. Das erfolgreiche „Kleine Kirchenblatt” erschien als Beilage.

Die knappe Papierzuteilung machte jede Ausgabe zu einer unfreiwillig spannenden Sache. Gedruckt wurde es – wie heute – von der Druckerei Herold, damals noch im Gebäude in der Strozzigasse im 8. Bezirk, in dem sich auch bis 1991 die Redaktion befand.

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Der veränderte Zeitungskopf ab 1947

Bei „Herold” (vormals Druckerei Albrecht Dürer) wurde einst u.a. auch die bürgerliche „Reichspost”, das „Volksblatt” und die von Friedrich Funder gegründete katholische Wochenzeitung die „Furche” gedruckt. – Seit 1984 wird bei Herold auch die Tageszeitung „Die Presse” produziert.

Die Zeitung „Der Sonntag”, deren Redaktion elf Jahre lang in Wien 1, Spiegelgasse 3, logierte und im Frühjahr 2007 ins Dachgeschoß des neuen „Medienhauses” am Stephansplatz 4, Stiege 6 übersiedelte, gehört seit 1945 dem Domverlag, der Teil der St. Paulus-Stiftung ist.

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Ab 1950 kamen mehr und mehr Bilder, vorwiegend Motive aus der Weltkirche, ins Blatt.

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Ab 1960 war dann eine Schmuckfarbe möglich. Erstmals kam Farbe ins Blatt!

Vom Kleinformat zur „Kirchenzeitung”

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Die Titelseite vom 21. März 1965

1964 wurde das kleinformatige Kirchenblatt zur „Wiener Kirchenzeitung” im großen, sogenannten „Wiener Format”.

Ab 1984 konnte schließlich auf derselben Maschine wie die „Presse” gedruckt werden – allerdings im „Quart”, d.h. wieder im „Kleinformat”. Dieser Umstand ermöglichte uns jedoch erstmals auf mehreren Seiten in Farbe zu erscheinen.

Ab 1998 erscheint die „Wiener KirchenZeitung” durchgehend in Farbe.

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Die Titelseite vom Herbst 1998 …

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… und der „Sonntag” sieben Jahre später

Kooperationen und der Schritt ins 21. Jahrhundert

Bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es zu einer intensiven Kooperation mit der Kirchenzeitung der Diözese Eisenstadt, später übernahm auch das Rupertusblatt der Erzdiözese Salzburg einige Jahre lang mehrere Seiten pro Woche. Seit einigen Jahren kooperiert der „Sonntag” neben Eisenstadt auch mit der Kirchenzeitung der Diözese Gurk-Klagenfurt.

Im November 2004 erhielt die damals 156-jährige erste österreichische Kirchenzeitung einen neuen Namen: „Der Sonntag”.

(red)

25.08.2005

Kurz notiert

Sozialhilfe verbessern

Die Armutskonferenz hat auf Missstände beim Vollzug der Sozialhilfe hingewiesen und die Bundesländer zu raschen Verbesserungen aufgefordert.

Je nach Bundesland, je nach Bezirk, je nach Gemeinde herrschen in Österreich andere und „häufig willkürliche” Vollzugspraktiken, kritisiert die Armutskonferenz. Barrieren auf den Ämtern würden die Notsituation noch verlängern, „die Hilfe wird umso schwieriger und teurer”.